Bitcoin hat die dritte Woche in Folge mit einem positiven Kursverlauf abgeschlossen. Nach einem Wochenendschluss bei rund 84.500 US-Dollar notierte Bitcoin zum Wochenstart bei etwa 85.500 US-Dollar. In der Vorwoche bewegte sich der Kurs zwischen einem Tief von rund 82.560 US-Dollar am Montag und einem Hoch knapp über 87.200 US-Dollar am Freitag. Am Montagmorgen näherte sich Bitcoin zwar erneut der Marke von 87.000 US-Dollar, drehte dann aber ab. Damit scheiterte binnen einer Woche bereits der zweite Versuch, das lokale Hoch von Ende September bei rund 87.400 US-Dollar zu überwinden. Es ist weiterhin der höchste Stand seit acht Monaten. Hinter Bitcoin liegt ein starkes drittes Quartal mit einem Plus von rund 42 %, so viel wie seit Ende 2024 nicht mehr. Ether schnitt mit etwa 70 % sogar noch besser ab. Wichtigster Impuls der Woche war ein deutlich schwächerer US-Arbeitsmarktbericht am Freitag.
Dieser drückte die Renditen von Staatsanleihen nach unten und stützte risikoreiche Anlagen auf breiter Front. Der Nasdaq 100 schloss auf Rekordhoch. Unter den übrigen digitalen Assets notierte Ether bei rund 2.700 US-Dollar. Dogecoin führte die high cap Coins am Montag mit einem Plus von über 3 % an, XRP und BNB gewannen 1 bis 2 %, Solana trat auf der Stelle.
Bitcoin Price. Source: Investing.com, Teroxx Research
Bei den US-Spot-Bitcoin-ETFs hat sich die Nachfrage spürbar abgekühlt. In der Vorwoche waren noch außergewöhnliche 2,4 Milliarden US-Dollar zugeflossen, so viel wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Damit hatten die Zuflüsse seit Jahresbeginn mit rund 934 Millionen US-Dollar ins Plus gedreht. Laut Farside verbuchten die Fonds in den fünf Handelstagen bis zum 2.
Oktober netto nur noch rund 83 Millionen US-Dollar. Am Mittwoch endete eine Serie von neun Tagen mit Zuflüssen: Netto flossen 148,7 Millionen US-Dollar ab. Am Donnerstag kamen 102,7 Millionen US-Dollar wieder hinzu. Zwischen den Anbietern gingen die Ströme weit auseinander. BlackRocks IBIT sammelte von Montag bis Donnerstag rund 292 Millionen US-Dollar ein, davon allein 195,6 Millionen am 1. Oktober. Fidelitys FBTC verzeichnete dagegen Abflüsse von rund 168 Millionen US-Dollar, Grayscales GBTC verlor etwa 55 Millionen. Insgesamt verwalten die Spot-Bitcoin-ETFs rund 109 Milliarden US-Dollar. Das entspricht etwa 6,4 % der Marktkapitalisierung von Bitcoin. Die Spot-Ether-ETFs entwickelten sich gegenläufig.
Nach vier Tagen mit Abflüssen in Folge, angeführt von Fidelitys FETH, standen netto rund 118 Millionen US-Dollar Abflüsse zu Buche. In der Vorwoche waren noch fast 690 Millionen US-Dollar zugeflossen. Unternehmen kauften im Hintergrund weiter für ihre Bilanz: Strategy erwarb 1.665 BTC und hält nun 847.666 BTC. Am Derivatemarkt wurde ein beträchtlicher Teil des Hebels abgebaut. Das in Bitcoin gemessene Open Interest bei Futures sank auf rund 628.000 BTC, den tiefsten Stand seit Jahresbeginn. Vorausgegangen waren der CME-Verfall im September und ein Rückgang um insgesamt rund 49.000 BTC bei CME- und Perpetual-Futures binnen sieben Tagen. An einem einzigen Tag wurden am Markt der digitalen Assets Positionen im Wert von rund 434 Millionen US-Dollar liquidiert, etwa drei Viertel davon Long-Positionen.
Der Rücksetzer in Richtung 82.500 US-Dollar hat also offenbar spät eingestiegene, gehebelte Käufer aus dem Markt gedrängt. Aus unserer Sicht ist eine Rally mit geringem Hebel gesünder als eine, die auf einseitiger Positionierung bei Perpetuals beruht. Allerdings prallte der Kurs wiederholt im Bereich von 87.000 bis 87.400 US-Dollar ab. Zudem liegt zwischen 85.000 und 85.500 US-Dollar ein deutliches Verkaufsangebot. Knapp unter dem Achtmonatshoch bleibt der Verkaufsdruck also hoch. Bei Ether ging die starke Entwicklung im dritten Quartal mit geringerer Markttiefe einher. Die Liquidität im Orderbuch liegt bei rund 35 bis 45 % des Bitcoin-Niveaus, vor einem Jahr waren es noch mindestens 60 %. Das kann Kursausschläge in beide Richtungen verstärken.
In der Regulierungsthematik verlagert sich der Schwerpunkt vom Kongress zu den Behörden. Mitte September war der CLARITY Act, das Gesetz zur Marktstruktur, im Senat an einer Verfahrensabstimmung mit 49 zu 50 Stimmen gescheitert. Am 1. Oktober legte die SEC einen Vorschlag vor: Anlageberater und regulierte Fonds sollen digitale Assets über qualifizierte Verwahrer, einzelstaatlich zugelassene Treuhandgesellschaften oder in eng begrenzten Fällen in Eigenverwahrung halten dürfen. Die Frist für Stellungnahmen beträgt 60 Tage. SEC-Chef Paul Atkins erklärte, die bestehenden Regeln hätten mit dem Markt „nicht Schritt gehalten“. Der Vorschlag schließt eine seit Langem bestehende Lücke in der Infrastruktur für Institutionen, die direkt investieren wollen statt über ETFs. Zudem erteilte die CFTC Coinbase eine Lizenz als Clearinghaus für Derivate. Damit deckt Coinbase das Derivategeschäft nun vollständig selbst ab. Die Citi kündigte an, gemeinsam mit Coinbase Händlerzahlungen in Stablecoins abzuwickeln. Regeln der Behörden können schrittweise Fortschritte bringen.
Diese lassen sich aber leichter wieder kippen als Gesetze. Dauerhafte gesetzliche Klarheit für den US-Markt steht daher weiter aus. Für die europäische Kundschaft bietet MiCA im Vergleich einen weitgehend gefestigten Rahmen. Die Makrolage blieb der entscheidende Faktor. Außerhalb der Landwirtschaft entstanden in den USA im September nur 29.000 neue Stellen, erwartet waren rund 84.000. Die Zahlen der beiden Vormonate wurden zusammen um 60.000 nach unten korrigiert, die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 %. Das dämpfte die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung beim Fed-Meeting am 28. Oktober deutlich. Die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit fiel von rund 70 % zu Wochenbeginn auf ein Viertel bis ein Drittel. Die Futures deuten allerdings weiter auf eine Erhöhung bis Jahresende hin, am ehesten im Dezember. Die Inflation bleibt der Engpass.
Der PCE-Preisindex stieg im August um 3,4 % gegenüber dem Vorjahr und liegt damit klar über dem Ziel von 2 %. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen hatte zuletzt mit über 5,3 % den höchsten Stand seit 2007 erreicht. Nach den Arbeitsmarktdaten fiel sie kurz unter 5,2 % und lag am Montag bei rund 5,25 %. Der US-Dollar zog an, der Euro rutschte auf den tiefsten Stand seit Mai 2025. In Japan hatte die Bank of Japan den Leitzins am 18. September auf 1,25 % angehoben. Den nächsten Schritt erwartet der Markt nun im Dezember statt im Oktober. Der Yen bleibt mit rund 158 je US-Dollar schwach.
United States Non-Farm Payrolls. Source: Trading Economics, Teroxx Research
Geopolitik und Energiepreis halten den Inflationsdruck hoch und damit auch die Renditen. Die Straße von Hormus ist infolge des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran weiterhin gestört. Am 27. September lehnte Washington einen iranischen Vorschlag ab, die Meerenge binnen sieben Tagen wieder zu öffnen. Im Gegenzug hatte Teheran eine Lockerung der Sanktionen und ein Ende der Seeblockade verlangt. Brent stieg daraufhin um mehr als 3 % auf knapp 108 US-Dollar je Barrel und gab im Wochenverlauf wieder auf rund 100 bis 102 US-Dollar nach. Am Montag verbilligte sich das Öl um weitere 0,7 % auf etwa 101,50 US-Dollar, nachdem Saudi-Arabien seine offiziellen Verkaufspreise für Asien gesenkt hatte. Die Zahl der wöchentlichen Durchfahrten hat sich leicht erholt, liegt aber weit unter dem Vorkriegsniveau. Ein Ölpreis um 100 US-Dollar ist aus unserer Sicht ein wesentlicher Grund, warum die Fed trotz eines schwächeren Arbeitsmarkts nicht lockern kann. Jede deutliche Veränderung beim Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, in die eine oder andere Richtung, hätte unmittelbare Folgen für die Zinsen. Und damit auch für die Bewertung digitaler Assets.
Was das für Anleger und Anlegerinnen bedeutet
Kurzfristig konsolidiert Bitcoin knapp unter einer klar umrissenen Widerstandszone zwischen 87.000 und 87.400 US-Dollar. Ein nachhaltiger Tagesschluss darüber würde den Ausbruch bestätigen und den Weg bis in die Nähe von 90.000 US-Dollar öffnen. Idealerweise ginge er mit wieder anziehenden Zuflüssen in Spot-ETFs einher und nicht mit neuem Hebel bei Perpetuals. Fällt der Kurs dagegen unter das Wochentief bei rund 82.500 US-Dollar, bräuchte der Anstieg aus dem dritten Quartal wohl eine ausgeprägtere Konsolidierung. Bemerkenswert ist auch: Bitcoin notiert nahe den von JPMorgan geschätzten Produktionskosten von rund 85.000 US-Dollar. Dieses Niveau diente in der Vergangenheit als Orientierungsmarke für das Verhalten der Miner. Zu den wichtigsten Risiken der kommenden Wochen zählen die US-Inflationsdaten, die Fed-Entscheidung am 28.
Oktober und jede Bewegung beim Ölpreis im Zusammenhang mit der Straße von Hormus. Nach dem Abbau des Open Interest ist die Positionierung bereinigt. Das senkt aus unserer Sicht das Risiko einer ungeordneten Auflösung von Positionen. Solange die zehnjährige Rendite über 5 % liegt, reagiert der Markt aber empfindlich auf Zinserwartungen. Langfristig verbessert sich das strukturelle Umfeld weiter. Institutionen erhalten auf mehreren Wegen leichteren Zugang: über ETFs mit mehr als 100 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen, über anhaltende Käufe von Unternehmen für ihre Bilanz und über einen US-Regulierungsansatz, der auch ohne CLARITY Act auf klarere Regeln für Verwahrung und Clearing zusteuert. Gegenwind kommt vor allem vom Makroumfeld mit hohen Realrenditen und hartnäckiger Inflation. Beides erhöht die Opportunitätskosten für Anlagen ohne laufenden Ertrag. Anleger:innen sollten daher einige Größen genau verfolgen: die wöchentlichen ETF-Ströme und die Unterschiede zwischen den Anbietern, das Open Interest und die Finanzierungsbedingungen bei Futures, die Zinserwartungen an die Fed und die Renditen von Staatsanleihen sowie den US-Dollar. Und nicht zuletzt den Ölpreis, denn über ihn wirkt die Geopolitik am direktesten auf die Märkte für digitale Assets.
Bitcoin hält sich über 83.000 US-Dollar: Stärkste ETF-Woche seit Oktober 2025
Bitcoin notiert bei 83.300 US-Dollar. Spot-ETFs sammelten 2,4 Milliarden ein, so viel wie seit Oktober 2025 nicht mehr. Straffe Fed und 5,2 % Rendite bremsen.